Rohner Privatstiftung

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Aktuelle Ausstellung

FACE TO FACE

Spitzar meets Kalb

 

Zwei außerordentliche Vorarlberger Künstlerpersönlichkeiten werden in dieser Ausstellung gemeinsam präsentiert. Selbstporträts von Edmund Kalb (1900-1952) stehen der jüngsten Werkgruppe "Köpfe" von Marco Spitzar gegenüber. 

Edmund Kalb, der in der österreichischen Kunst der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Außenseiterposition einnimmt, lässt in seinen zahllosen Selbstporträts die Grenzen zwischen Individuum, Gesellschaft und kosmischer Ordnung verschwimmen. Kalbs intime und schonungslose Selbstdarstellungen sind geprägt von der Erforschung naturwissenschaftlich-mathematischer Systeme und esoterischer Ideen und beeindrucken und berühren uns bis heute.

Marco Spitzar (geb. 1964), der nach dem Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien in der Meisterklasse bei Bruno Gironcoli studierte, zeigt in der Gegenüberstellung mit Kalb vier aktuelle Werkserien aus der jüngsten Schaffensperiode, die großformatige Leinwände auf ungrundiertem Naturleinen und kleiner Werke auf antiquarischem Papier umfassen.

In der Werkgruppe "Kopf in der Schale" greift er weit zurück in die Entstehungsgeschichte urzeitlicher Mythologien und prähistorischer Opferkulte - er bedient sich unterbewusster Metaphorik und Symbolik. Auch mit der Werkgruppe "Kopf mit Brezeln" verwirrt Spitzar durch raffinierte Bildkonzepte und Wortwitz.

Seine "Köpfe" ragen wie Skulpturen aus dem Bildgrund und verweigern eine individuell authentische Selbstreflexion, sie repräsentieren die Existenz des zeitgenössischen Menschen mit seinen Ängsten, Hoffnungen und Brüchen und treffen den Betrachter unmittelbar, authentisch und überzeugend.

Immer wieder gelingt es Spitzar durch ungewöhnliche Bildfindungen, überraschende Kompositionen, unerwartete Perspektiven und ungewöhnliche Materialien beim Betrachter dezente Irritation hervorzurufen und letztlich im Spannungsfeld zwischen Betroffenheit und Ironie zu überzeugen.

Die Gegenüberstellung in der Ausstellung macht sichtbar, dass trotz zeitlicher Distanz, verschiedener Lebensläufe und gravierender Veränderungen, das Bemühen der Künstler, die eigene Existenz im gesellschaftlichen Kontext zu dokumentieren und zu verankern, immer aktuell bleibt.

 

Fotografie: Fàtima Lòpez-Alva